Zweihundert mal rot
| ein abgelutschtes Rot | Ein bemalter roter Mund, bei dem nach einem leidenschaftlichen Kuss der Lippenstift ganz verschmiert ist. |
| ein abwegiges Rot | Ein Rot, wo eigentlich ein sanftes Blau hingehört oder ein saftiges Grün. |
| ein allwissendes Rot | Ein Rot, dass schon alles gesehen hat und glaubt, nichts mehr dazulernen zu können. |
| ein angestrengtes Rot | Es muss ständig auf der Hut sein, nicht in Braun abzurutschen. Nur unter Aufbringung all seiner Willenskraft ist es als rot erkennbar. |
| ein atheistisches Rot | Glaubt nicht an die Farbenlehre. Negiert Komplementärfarben und hält Licht für Hokuspokus. |
| ein atonales Rot | In einem Bild sticht es zunächst unangenehm heraus, weil es nicht zu harmonisieren scheint. Bei näherem Betrachten gibt es dem Ganzen aber einen interessanten Aspekt. |
| ein aufmüpfiges Rot | Ein freches, ungeniertes Rot. Immer einen Tick neben der Spur rebelliert es gegen allzu konventionelle Genossen. |
| ein äußeres Rot | Es geht nicht unter die Oberfläche. Wenn man mit dem Daumennagel dran kratzt, kommt vielleicht etwas anderes zum Vorschein. |
| ein befriedigtes Rot | Sattes, fettes Rot mit einer klaren Botschaft. Es hat seinen Job ordentlich erledigt. Jetzt kann es heimgehen und die Füße hochlegen. |
| ein bekümmertes Rot | Bekümmert vielleicht, weil es so selten verwendet wird? Oder weil es nicht besonders viel hermacht? |
| ein beliebiges Rot | Nullachtfuffzehn Rot für billige Reklametafeln. |
| ein bemoostes Rot | Ein ziegelrotes Dach eines alten Hauses, besetzt mit Moosbollen und Flechten. |
| ein bemühtes Rot | Ein künstlich hergestelltes Rot, der missglückte Versuch, einen neuen Rotton zu kreieren. |
| ein berechnendes Rot | Von Psychologen oder Marketingexperten verwendetes Rot, um Irre zu beruhigen oder Kauflust zu wecken. |
| ein bescheidenes Rot | Es will nichts, es ist nur zufällig rot, nicht sein Verdienst, fast ist es ihm peinlich. |
| ein bescheuertes Rot | Auch so ein gemischtes Rot, ein missglückter Versuch, ein Misch-Desaster bei dem man die Augen verdrehen muss. |
| ein beschlagnahmtes Rot | Es wurde unterm Ladentisch gehandelt und geriet so in die Hände von Jugendlichen. Um ihre empfindlichen Gemüter nicht zu verletzen, wurde es umzingelt und sichergestellt. Jetzt fristet es ein Leben in der Asservatenkammer. |
| ein besseres Rot | Auf jeden Fall sehr teuer in der Herstellung, vielleicht aus echtem Purpurschneckenschleim gewonnen, oder aus gemahlenen Rubinen. |
| ein beziehungsreiches Rot | Mein Gott, ist das beziehungsreich, ich glaub´, ich übergeb´ mich gleich. (Robert Gernhard) |
| ein blindes Rot | Hat keine Vergleichsmöglichkeit zu den Farben links und rechts und passt deshalb so gar nicht ins Bild. |
| ein blockiertes Rot | Steht nicht zu seinem Rotsein, wäre lieber eine andere Farbe, eine nicht ganz so auffällige, wenn es recht ist. |
| ein breitbeiniges Rot | Ein protziges, angeberisches Rot, dass unangenehm auffällt und gern den Ton angibt. |
| ein dahergelaufenes Rot | Ohne Stammbaum, ohne ordentliche Farbpalette im Background, einfach so ein Rot halt. |
| ein deutliches Rot | Kann niemand mit orange, lila oder rosa verwechseln, der nicht völlig farbenblind ist. |
| ein diskreminierendes Rot | Das ist zum Beispiel das Kommunismus-Rot, hat gar nichts mehr mit der Farbe zu tun und ist zum reinen Symbol geworden. |
| ein dokumentiertes Rot | Katalogisiert, kategorisiert, ordentlich bezeichnet und jederzeit wiederfindbar. |
| ein dreigestrichenes Rot | Nicht einmal, nicht zweimal, nein, dreimal so rot! |
| ein dummes Rot | Man mischt und mischt um das perfekte Rot zu finden und was kommt raus? Ein dummes Rot. Siehe auch -> bescheuertes Rot. |
| ein durchschaubares Rot | Man kennt die Absicht und ist verstimmt. (Goethe) |
| ein durchtrainiertes Rot | Muskulöses, drahtiges Rot ohne Fettpölsterchen oder Orangenhaut. |
| ein eckiges Rot | Unbequemes Rot, dass dem erwarteten Runden der Farbe widerspricht. Doch, doch, Rot ist rund! |
| ein egoistisches Rot | Du sollst keine anderen Rottöne neben mir haben. Ich bin dein Rot, dein einziges Rot! |
| ein eindimensionales Rot | Man kann es drehen und wenden wie man will, es sieht immer gleich aus. |
| ein eingewebtes Rot | Der rote Faden? Mitten im weißen Linnen schlängelt er sich durch das nun nicht mehr makellose Gewebe. |
| ein eingezäuntes Rot | Es kann nicht raus. Ein Verbrechen! |
| ein einsames Rot | Es kann nicht rein. Auch ein Verbrechen! |
| ein entferntes Rot | War da mal rot? Es sind nur winzige Spuren geblieben. Abgebeizt, abgeschmirgelt, verwittert. |
| ein entglittenes Rot | Fast hätte ich es gehabt, aber ehe ich es malen konnte, war es fort. Siehe auch -> zerbrechliches Rot. |
| ein erfolgloses Rot | Ersonnen zu einem bestimmten Zweck, doch mit der nicht umgesetzten Idee starb auch das Rot. |
| ein erinnertes Rot | War da mal ein Rot gewesen? So ein dunkles, geheimnisvolles Rot? |
| ein erkältetes Rot | Das Rot einer laufenden Nase. |
| ein erniedrigendes Rot | Das dominante Rot eines Overknee-Lackleder-Stiefels. |
| ein erschöpftes Rot | Mag nicht mehr rot sein. Tagein, tagaus immer nur rot, nie ausruhen, nie verblassen. |
| ein falsches Rot | Ein Rot, dass sich aus anderen Farben zusammensetzt oder nur im Auge des Betrachters rot erscheint. Ein Opfer des Pointilismus. |
| ein farbenblindes Rot | Sieht nur Grautöne, sonst nix. |
| ein faseriges Rot | Uneinheitlich wegen der vielen Schattierungen, aber nicht uninteressant. Es entsteht, wenn man ein rotes Seil, das lange in der Sonne gelegen hat, aufdröselt und die Stränge dann je nach Verblichenheitsgrad unterschiedliche Rottöne haben. |
| ein fauliges Rot | Es müffelt schon deutlich, wenn man es länger betrachtet. Gesellt sich gern zum -> überfahrenen Rot. |
| ein feiges Rot | Versteckt sich hinter den anderen Farben, ist nicht kritikfähig. Zur Strafe wird es gelegentlich -> übermalt. |
| ein festgehaltenes Rot | Ein Rot, dessen Schattierung genau definiert ist. RGB-Rot. Langweilig eben. |
| ein feuchtes Rot | Lebenssaft-Rot, in keinem anderen Aggregatszustand als flüssig vorstellbar . |
| ein flaches Rot | Einheitliche Tönung, keine Schattierung, keine Tiefen. Findet sich auf lieblos hingeklatschten Wahlplakaten ebenso wie auf Schleiflack-Mobilar. |
| ein flatterhaftes Rot | Verspielt, unzuverlässig, schlecht reproduzierbar. |
| ein flatterndes Rot | Vielfarbiges Rot, ein Banner in der Morgensonne. Die zittrigen Blüten von Klatschmohn im Abendwind. Aurora Borealis am Nordkap. |
| ein fleißiges Rot | Ein Rot, dass in der Natur ganz oft vorkommt, auf allen Kontinenten zu finden ist, immer bemüht, die Welt ein bisschen bunter zu machen. Coca-Cola-Rot zum Beispiel. |
| ein fliegendes Rot | Roter Blitz, es kommt so schnell wie es geht, zieht einen leuchtenden Streifen über den Himmel. |
| ein flüsterndes Rot | Verführerisch, liebesgeschworen, verheißungsvoll und vertraulich. |
| ein freies Rot | An keine Form und keinen Namen gebunden, in keiner Tube gefangen, in keinem Katalog gelistet oder benamst. |
| ein frisch geschnittenes Rot | Ein roter Strich über einer weißen Kehle, ein Schnitt in rot bemalter Leinwand. |
| ein galoppierendes Rot | Ungestüm, ungezähmt, es erscheint plötzlich selbstbewusst und reißt dich mit sich fort. |
| ein gedankenloses Rot | Hoppla, war ich das? Ein entschuldigendes Lächeln und hochgezogene Schultern. |
| ein geeistes Rot | Frost auf einem Fliegenpilz. Eiskristalle auf Himbeereis. Eine rote Zunge, die an Metall kleben bleibt. |
| ein gefangenes Rot | Es wurde gesucht, war auf allen Fahndungsplakaten abgebildet, Kopfgeld wurde ausgesetzt. Dann hat man es schließlich geschnappt. |
| ein geflicktes Rot | Der missglückte Versuch, ein verwischtes Rot zu reparieren. Man trifft nicht mehr den richtigen Ton, den richtigen Trocknungsgrad, es bleibt ein Fleck mit unterschiedlicher Schattierung zurück. Ärgerlich. |
| ein gehemmtes Rot | Bloß nicht mit Sex in Verbindung gebracht werden. Ich bin nur ein harmloses, jugendfreies Marienkäferrot! |
| ein gelangweiltes Rot | Marienkäferrot, jeden gottverdammten Tag! |
| ein gen-manipuliertes Rot | Gepanscht, gemischt, der Identität beraubt. Und niemand weiß, wie es in 10 Jahren aussieht! |
| ein genuscheltes Rot | Mit zusammengebissenen Zähnen oder hasenschartig kommt es daher. Siehe auch -> stotterndes Rot. Darf man nicht drüber lachen! |
| ein geschändetes Rot | Missbraucht für Panikmache ("Lieber tot als rot") oder einfallslose Namensgebung ("Rotwein"). |
| ein geschenktes Rot | Überraschung! Oh, wie schön, darf ich das behalten? |
| ein geschwätziges Rot | Also, ich bin ja nicht so auf Äußeres bedacht, ich sag ja immer, auf die inneren Werte kommt es an, nicht wahr? Aber was sich dieses Gelb neulich herausgenommen hat... |
| ein gesiegeltes Rot | Es kann sich eines Platzes in den Geschichtsbüchern sicher sein. Es bewahrt Hinrichtungsbefehle und Friedensbotschaften gleichmaßen zuverlässig. |
| ein gespartes Rot | Wenn es nicht so teuer wäre, hätte man vielleicht mehr davon verwendet. |
| ein gestempeltes Rot | Der würdige Abschluss einer japanischen Kalligraphie aus Meisterhand. |
| ein gestohlenes Rot | Ein patentiertes Rot, dass in China illegal kopiert wird. Als ob die das nötig hätten! |
| ein gestriges Rot | Früher zierte es noch die Robe der edelsten Damen beim Kaiserball, heute ist es eingemottet und vergessen. Siehe auch -> erinnertes Rot |
| ein getropftes Rot | Eine Blutspur im Schnee. Siegellack auf Büttenpapier, siehe auch -> gesiegeltes Rot. |
| ein gezwirbeltes Rot | Rote Fäden an chinesischen Glücksbringern, der geflochten Zopf des rothaarigen Mädchens, eine züngelnde Flamme im Dachstuhl. |
| ein glasiges Rot | Eine rote Qualle im sonnendurchfluteten Meer. Eine Maraschinokirsche auf einer Sahnehaube. |
| ein gottergebenes Rot | Im Dienst der Kirche, verwoben für Kardinalsröcke, viel zu gelbstichig, um unfromme Gedanken aufkommen zu lassen. |
| ein grundsätzliches Rot | Ein Rot mit Standpunkt, unbeirrbar, unverfälscht. Rot ist rot ist rot. |
| ein halbgebildetes Rot | Es ist zwar rot, aber es weiß eigentlich nicht warum, und es hat mal was von Lichtwellen gehört. Kann aber auch ganz anders gewesen sein. Gewinnt trotzdem die Million bei Günther Jauch, durch puren Zufall. |
| ein hängengelassenes Rot | Erst hat man es mühevoll angemischt, um mit ihm dem Bild den letzten Schliff zu geben, dann klingelt es an der Tür, die Nachbarin kommt auf ein Pläuschchen vorbei, und als man dann nach einer Stunde an die Palette zurückkehrt, ist es eingetrocknet. |
| ein heimliches Rot | Ein Rot, getauscht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das einzige gerüschte Seidenhöschen im Wäscheschrank von Frau Schulz, der gealterten Jungfrau von nebenan. |
| ein heißes Rot | Ganz anders hingegen der seidene String-Tanga von Bettina, Table-Dancer im "La Ola". Oft bewundert, allseits beliebt bei Jung und Alt. |
| ein herrisches Rot | Wie das -> grundsätzliche und das -> egoistische Rot sehr autoritär, aber angenehm markant. |
| ein hinkendes Rot | Je nachdem, in welchem Winkel man es betrachtet, kommt es ein wenig schief daher. |
| ein hitziges Rot | Das glühende Gesicht des Ertappten, oder die gerötete Stirn des Fieberkranken. Der Wolf, den man sich gelaufen hat, und der verbrühte Daumen. |
| ein humanistisch gebildetes Rot | Kennt alle Schattierungen der Farbpalette und kann sie nicht nur auswendig herunterbeten, sondern auch zur Diskussion stellen. |
| ein impertinentes Rot | Dabei war doch Anstand geboten! Aber das stört das impertinente Rot nicht, es denkt nämlich, dass es nur Gewinn bringen kann im tristen Einerlei. |
| ein inneres Rot | Ein Rot, dass unsichtbar im Verborgenen existiert. Meist ist Schlimmes passiert, wenn es zum Vorschein kommt. |
| ein irrtümliches Rot | Inmitten eines Feldes weißer Primeln wächst eine rote Blume. Mendel´sche Vererbungslehre oder ein verstreutes Samenkorn? |
| ein kalkuliertes Rot | Warum machen wir nicht mal graue Stop-Schilder? Scherzkeks. |
| ein kastriertes Rot | Warm, aber nicht heiß. Gerundet, aber nicht kurvig. Beruhigend statt aufregend. |
| ein kauerndes Rot | Versucht, der Kastration zu entkommen, in dem es sich versteckt oder versucht, sich unscheinbarer zu geben als es ist. |
| ein kicherndes Rot | Ein albernes Rot für Clownsnasen und Zipfelmützen. Zipfelmützen, muahahaha! |
| ein konservatives Rot | Es springt uns aus jeder Buntstiftsammlung und jedem Farbmalkasten entgegen. Es war schon immer da und es wird immer da sein. Keine Experimente! |
| ein kriechendes Rot | Eine rote Pfütze. Die Oberflächenspannung bricht und zäh wie Brei läuft die Farbe heraus, nur bewegt durch das Ungleichgewicht der Schwerkräfte auf dem buckeligen Asphalt. |
| ein krümeliges Rot | Die Überreste des -> hängengelassenen Rots, eingetrocknet bröckelt es im Töpfchen, da hilft auch kein Hinzufügen von Wasser mehr. |
| ein kullerndes Rot | Eine Vogelbeere oder ein Apfel, vom Strauch gefallen kullern sie durchs kurz geschnittene Gras, dir direkt vor die Füße. Die Vogelbeere lass lieber liegen. |
| ein lachendes Rot | Rote Lippen, die sich über weißen Zähnen teilen, oder über gelben. Egal, dieses Rot wird vom Ton des Lachens getragen. Fröhliches oder hämisches Lachen, das kommt auf die Farbe der Zähne an. |
| ein lärmendes Rot | TA-TÜ-TA-TAA-TA-TÜ-TA-TAA-TA-TÜ-TA-TAA-TA-TÜ-TA-TAA |
| ein lauerndes Rot | Anders als das tonähnliche -> kauernde Rot, wartet es nur darauf, dich anzuspringen und aufzuwühlen. Es versteckt sich, um im rechten Moment wie ein Kastenteufel in deine Augen zu springen und erwartet begeisterten Applaus, nachdem der erste Schreck verflogen ist. |
| ein leckendes Rot | Die Flammen, die das Holzscheit umspielen oder die Zunge, die eine Träne von deiner Wange leckt. |
| ein lineares Rot | Zu sehr -> humanistisch gebildet, um sich schlicht "gradlinig" zu nennen. Kommt aber auf´s Gleiche raus, ätsch. |
| ein losgelassenes Rot | Entfesselt, aber von fremder Hand, deshalb ist bei aller Freiheit doch eine Spur von Kontrolle im Spiel. Wie ein Hund, der von der Leine gelassen wird, aber das Halsband noch trägt. |
| ein mageres Rot | Leblos, ohne Kraft oder Aussage dümpelt es vor sich hin. Schaut vielleicht verächtlich auf fettes, öliges Rot und huldigt der langweiligen Aquarellmalerei. |
| ein merkwürdiges Rot | Seltsam oder denkwürdig? Das ist hier die Frage... |
| ein müdes Rot | Es ist des Angeschautwerdens müde, oder vielleicht auch des Rotseins. Rotsein ist so viel anstrengender als Schwarzsein oder Braunsein. |
| ein musikalisches Rot | Es summt fröhlich vor sich hin, unbekümmert lässt es Melodien entstehen, die es nur selber hören kann. Aber du schaust es an, und deine Stimmung hebt sich. |
| ein naturentlehntes Rot | Gibt es in unzähligen Schattierungen als eichhörnchenrot, ameisenrot, mit-geschlossene-Augen-in-die-Sonne-gucken-rot, verlegenheitsrot oder fliegenpilzrot. |
| ein nettes Rot | Weckt keine unlauteren Gefühle, tut niemandem weh und ist deshalb tragischerweise belanglos. Der gute Kumpel, der so gern dein Liebhaber wäre. |
| ein neugeborenes Rot | Ein neues Rot erblickt die Welt, kurz nach der Geburt vielleicht noch gar nicht als solches erkennbar. Erst wenn es erwachsen wird, erblüht es zu einem wunderschönen Rot. |
| ein offensichtliches Rot | Ein Rot ohne Geheimnisse, prangt es unbekümmert in der Natur auf zahlreichen Blütenkelchen. Jedermann erkennt es gleich als Rot, nur die Bienen sehen schwarz. |
| ein ordentliches Rot | Fein gestrichen, ohne Schattierungen, vielleicht sogar geairbrusht oder gepixelt. Brrr... |
| ein parfümiertes Rot | Es war mal ein -> naturentlehntes Rot, bis sich jemand daran gemacht hat, es zu veredeln. Hier ein Stich Sienna hinzugefügt, dann noch ein Tröpfchen Karmesin, eine Messerspitze Zinnober. Verpfuscht am Ende. |
| ein peinliches Rot | Das Wangen- und Ohrenrot, wenn dir jemand ein Kompliment macht, das, wie du weißt, ungerechtfertigt ist. |
| ein pflichtbewusstes Rot | Es lässt die Ampel des Nachts um drei genau dann umspringen, wenn du dich der einsamen Landstraßenkreuzung näherst und hält die vorgeschriebenen drei Minuten durch. |
| ein pöbelndes Rot | Findet sich auf Bannern mit aggressiven Sprüchen, immer auf der Suche nach dem Konflikt und dem Widerspruch, damit es was auf´s Maul gibt. |
| ein pragmatisches Rot | Erscheint da, wo es am nützlichsten ist, ohne ästhetische Bedenken. |
| ein primadonnenhaftes Rot | Es mag alleine stehen, auf gar keinem Fall neben einem anderen Rot, am liebsten umgeben von Weiß oder Schwarz. Nach vollendetem Auftritt erwartet es mindestens Blumen, wenn nicht gar standing ovations. |
| ein primitives Rot | Gut oder schlecht: Das liegt im Auge des Betrachters. Es könnte ein ehrliches Rot sein, unverfälscht und urzeitlich. Oder ungebildet, gar -> pöbelnd, immer mit dem Strom schwimmend. Die Unterschiede sind fein. |
| ein repariertes Rot | Anders als beim -> geflickten Rot war hier eine Generalüberholung notwendig, um es zu retten. Natürlich wird dir diese Tatsache beim Kauf verschwiegen, aber du wunderst dich, warum es nicht so recht funktionieren will. |
| ein rollendes Rot | Wenn Rot grundsätzlich rund ist, dann heißt das nicht, dass jedes Rot auch rollen kann. Dieses hier aber kann es, gleichmäßig und stetig auf schiefer Ebene ohne tollpatschige Hüpfer wie beim -> kullernden Rot. |
| ein scheinheiliges Rot | Es findet, dass ein Rot bescheiden sein soll, harmonisch mit anderen Farben koexistieren. Aber heimlich, wenn es glaubt, niemand schaut hin, dann kannst du es selbstgefällig schmunzeln sehen. |
| ein schimpfendes Rot | Das Rot einer Gardinenpredigt, es will nicht enden, es findet immer neue Anschuldigungen und jeder Betrachter lässt angedenk seiner vielen kleinen Sünden die Ohren hängen. War es denn wirklich so schlimm? |
| ein schimpfliches Rot | Es lässt selbst die Öhrchen hängen, gescholten ob seiner unverschämten Färbung. Es schlich sich heimlich auf Wangen und Lippen als es dort nichts zu suchen hatte! |
| ein schlagendes Rot | Ohne Vorwarnung springt es dich an und versetzt dir einen Hieb, der sich gewaschen hat. Abstand von mindestens einer Armeslänge ist geboten. |
| ein schlampiges Rot | "Es ist doch wohl nicht zuviel verlangt, beim Farbwechsel einen gereinigten Pinsel oder besser noch, einen neuen Pinsel zu verwenden. Jetzt haben wir den Salat und im Rot prangt ein fieser grüner Schimmer, der da gar nicht hingehört." " Ja, stell dich nicht so an, wenn so ein bisschen weiße Leinwand durchschimmert, geht doch die Welt nicht unter." |
| ein schleimiges Rot | Hört sich widerlich an, gell? Denken wir an blutigen Hustenauswurf, an Nachgeburt, an Menstruation? Ach, denken wir doch lieber an was anderes! |
| ein schleppendes Rot | Mühselig ist es, dieses Rot zu betrachten. Es ist so langsam, dass man eine Zeitrafferkamera aufstellt, dann ein paar Bierchen trinken geht und bei der Rückkehr die Aufnahme im schnellen Vorlauf durchlaufen lässt. |
| ein schmatzendes Rot | Sehr geräuschvolles Rot, man denkt an den Kuhfuß, der sich aus dem Schlamm der Weide befreit. Zähe Masse, die nicht loslassen will, und die, wenn sie es schließlich doch tun muss, dieses satte Geräusch macht. |
| ein schmeichlerisches Rot | Macht aus dem blassesten Geschöpf noch irgendwas Interessantes. Gaukelt dir vor, dass Rot der Helfer in der Not ist, bleibt aber gnadenlos an der Oberfläche und ist nicht wischfest. |
| ein schmerzliches Rot | Peinvoll betrachtet man dieses Rot, es tut in den Augen weh, es nagt an den empfindlichen L-Zäpfchen wie eine Ratte mit gelben, schiefen Zähnen. |
| ein schusseliges Rot | Ständig in Gefahr, sich zu vergessen, seine Nuance zu verlieren oder seine Deckkraft. Dabei ist es auch noch so frech, zu behaupten, wer genial sei, müsse nicht ordentlich zu sein. |
| ein schwedisches Rot | Kennt jeder, oder? Ein blasses Küchenrot, verwendet in Gardinen, Möbelstoffen, Teppichen. Bloß nicht aufdringlich sein. "Frisch" soll es wirken, sauber und sympathisch. Es riecht nach Seife und Schnittblumen. |
| ein schwüles Rot | Ganz anders als das -> schwedische Rot prangt es auf Samt, Satin und Saffianleder. Es will immer nur das eine, jetzt und hier, sonst droht es zu vergehen. |
| ein selbstsicheres Rot | Nicht zu verwechseln mit -> egoistischem Rot. Es weiß, was es kann und pfeift auf Deutungen. Gegenüber den nicht so selbstsicheren Rottönen ist es aber ungeduldig und sieht ein wenig auf sie herab. Herrje, wie kann man sich nur so anstellen? |
| ein siamesisches Rot | Immer zwei in eins, man kann sie nicht trennen. Mit dem einen kriegst du das Zweite dazu, was du auch anstellst. Wenn du glaubst, du hast sie endlich getrennt, kommt ein Lichtstrahl daher und schon schimmert der Zwilling wieder durch. |
| ein sickerndes Rot | Schau noch schnell hin, ehe es im Untergrund verschwunden ist. Es verschwindet durch die Poren, wird aufgesaugt wie von einem Schwamm. Schwer zu halten, dieses Rot. |
| ein sinnloses Rot | Das hätte es an dieser Stelle doch wirklich nicht gebraucht! Gibt es denn keine anderen Farben auf der Welt? |
| ein sorgloses Rot | Lalala, was kümmert mich der Rest der Welt, ich bin´s was ich bin´s und das ist alles was ich bin´s. (Frei nach Popeye) |
| ein stibitztes Rot | Es gehört eigentlich jemand anderem, aber die Gelegenheit war gerade so günstig. Nun ist es meines und ich geb´s nicht wieder her. |
| ein stolperndes Rot | Es wirft Schatten auf unebener Fläche, man möchte es über die Straße führen, damit kein Unglück passiert. |
| ein stolzes Rot | Schon ein wenig anderes als das -> selbstsichere Rot, denn Stolz ist schließlich keine Tugend, oder? Und ist es sein Verdienst, als Rot geboren zu sein? Ist nicht auch Ocker ein Kind dieser Welt und hat ein Recht zu leben? Gut, das fiese Ocker ist jetzt ein schlechtes Beispiel. Sagen wir lieber: Und ist nicht auch Grau ein Kind dieser Welt? Ok, Grau ist auch ein schlechtes Beispiel. Äh... |
| ein stotterndes Rot | Darf man sich nicht drüber lustigmachen! Und schon gar nicht helfend vorgreifen. Da heißt es, geduldig zu warten, bis es sich offenbart hat, auch wenn´s mal ein bisschen länger dauert. |
| ein browser-optimiertes Rot | #FF0000 |
| ein taumelndes Rot | Das kommt davon, wenn man Pigmente statt mit Leinöl, Wasser oder Kunstharz mit Alkohol vermischt! |
| ein theoretisches Rot | Ich bin der Farbreiz, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, dessen Maximum im Wellenlängenintervall oberhalb 600 Nanometer liegt. (Wikipedia) |
| ein tollwütiges Rot | Schaum vor dem Mund, taumelt es durch die Welt, es ist verwirrt, hat Angst und ist dennoch gefährlich, denn es fällt jeden an, der ihm zu nah kommt, verbeißt sich und steckt dich an. |
| ein tränendes Rot | Muss nichts mit Traurigkeit zu tun haben, es begegnet dir auch, wenn du die Tür frisch lackiert hast und dann eine einzelne Lackträne dein Werk ruiniert. Es hebt sich deutlich von der Glätte ab und schimmert in einem anderen Ton. So ein Mist! |
| ein triumphierendes Rot | Es geht als Sieger hervor aus dem Kampf um den ersten Platz. Verlierer, neigt das Haupt in Demut, ihr seid besiegt! |
| ein überfahrenes Rot | Verschmierter Lebenssaft eines heute morgen noch gut gelaunten Igelmännchens auf der Suche nach einer Gefährtin für den Sommer. Wann lernt dieses Rot endlich, sich vom Asphalt fernzuhalten? |
| ein überflüssiges Rot | Kennt jeder, der schonmal die Farbe für einen Neuwagen ausgesucht hat. Nicht mehr lange, dann sehen wir uns neben Barolo-Rot, Amarena-Rot und Sedona-Rot auch noch mit Jennifer-Tjorben-Rot, Möllesund-Rot (-> schwedisches Rot) und Vollkrass-Rot konfrontiert. |
| ein übermaltes Rot | Ein wirklich tragischer Fall, angesichts dessen wir in stillem Gedenken eine Minute in unserem Tun einhalten wollen. Bitte erst in einer Minute weiterlesen. |
| ein unbekanntes Rot | Das rot auf einem entfernten Planeten, es verbirgt sich im dritten Krater von links und wir werden es nie zu Gesicht bekommen. Welch ein Verlust! |
| ein unentgeldliches Rot | Kostet nix, aber das heißt nicht, dass es nix kann! Im Gegensatz zum -> geschenkten Rot kommt es ohne Absicht daher. Wenn es dir gefällt, nimm es. Wenn nicht, dann lass es für den nächsten Betrachter liegen. |
| ein unentschlossenes Rot | Hach, ich weiiiiß nicht, bin ich orangestichig oder nicht? |
| ein unerreichbares Rot | Das Rot, dass aus der letzten Cochenille-Laus gewonnen wurde, die auf einer ausgestorbenen Kakteen-Art in der Sierra Madre lebte. Zusammen mit der letzten Kaktee dieser Art ist leider der Lebensraum der Laus vernichtet worden, so dass diese Farbe niemals mehr reproduziert werden kann. Da es eine Gemeinheit ist, Viecher abzumurksen, nur damit sich jemand verführerische Lippen aufmalen kann, betrauern wir zwar den Verlust von Kaktus und Laus, nicht aber den des unerreichbaren Rots. |
| ein ungenügendes Rot | Das Rot, mit dem die "6" unter deiner letzten Mathearbeit prangte. |
| ein ungezogenes Rot | Wenn sich Astrid bückt, um ein Blümchen zu pflücken, dann blitzt an ihrem verlängerten Rücken unter dem Bund ihrer Jeans etwas hervor. Zufall oder Kalkül? |
| ein unnahbares Rot | Berühren verbietet sich von selbst. Dieses Rot ziert den Königsmantel hinter Panzerglas genauso wie die Lippen der Diva. Fast schon ist selbst Gucken verboten. |
| ein unsichtbares Rot | Wie soll man beschreiben, was nicht sichtbar ist. Und doch existiert es, wie Infrarot. Uns fehlen nur die richtigen Augen dazu. Fragt mal die Bienen. |
| ein urheberrechtliches Rot | Was sich soviel darauf einbildet, nur gegen Geld verwendet werden zu dürfen, kann nur ein -> überflüssiges Rot sein. |
| ein verachtetes Rot | Da schimmert es durch gerüschte Vorhänge, leuchtet über den Eingängen zu zwielichtigen Etablissements. |
| ein vereinzeltes Rot | Anders als das selbstbewusste Rot wäre es viel lieber in Gesellschaft, um weniger aufzufallen. Insofern nicht unähnlich dem -> feigen Rot. |
| ein verhungertes Rot | Das kommt davon, wenn man das -> magere Rot nicht auf kalorienreichere Kost umstellt. Es ist nur noch ein Hauch seiner selbst, bald wird es dahinscheiden. |
| ein verirrtes Rot | Definitiv nicht an der Stelle, wo es hingehört, irrt es umher und sucht seinen Platz. In tragischen Fällen wird es zum -> übermalten Rot. |
| ein verlängertes Rot | Durch Zugabe von Unmengen von -> offensichtlichem Rot wird es solange gestreckt, bis es gerade noch so durchgeht. Der Vorwurf des Panschens bleibt unwidersprochen im Raum stehen. |
| ein verletztes Rot | Ein ganz schlimmes Rot, es erinnert uns an die Worte, die jeden Streit zur Erpressung werden lassen: "Ich bin nicht sauer, ich bin nur traurig...". |
| ein vermaledeites Rot | Geächtet, beschimpft, denunziert und angeprangert. Wie Neider halt so sind! |
| ein vermisstes Rot | Hier, genau hier hätte es hingehört, findest du nicht auch? |
| ein vermurkstes Rot | Die ewige Schuldfrage, wer versagt hat: Die Erziehung, die Umwelt, die Pigmente? Jetzt ist guter Rat teuer! |
| ein verpasstes Rot | Herr Schutzmann, ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, eben war noch Gelb! |
| ein versammeltes Rot | Wir wollen doch hoffen, dass das ordnungsgemäß angemeldet war. |
| ein verschlungenes Rot | Es mäandert seinen Weg durch ein Ornament auf einer gestickten Stola. |
| ein verschmiertes Rot | Das passiert halt in einem unachtsamen Moment, aber wenn man einen zweiten Blick darauf wirft, sieht es doch ganz apart aus. Natürlich nicht, wenn man es auf dem berühmten weißen Kragens des berühmten treulosen Ehemanns findet. |
| ein verstecktes Rot | Erschließt sich nur dem aufmerksamen Betrachter. Ein im Laub verborgener Fliegenpilz, der letzte Herbstapfel auf einem Baum, ein Rotkehlchen in einer dichten Hecke. |
| ein verstorbenes Rot | Das letzte Stadium des -> mageren und -> verhungerten Rotes. R.I.P. |
| ein verstummtes Rot | Einst war es schreiend rot, doch dann kam jemand auf die glorreiche Idee, eine grüne Lasur aufzubringen, weil das ja ach so hipp ist. Da war´s vorbei mit der Herrlichkeit. |
| ein vertraglich zugesichertes Rot | DAS soll Barolo-Rot sein? Dafür habe ich 3000 Euro Aufpreis bezahlt? Das ist popeliges Zinnober, Sie Gauner! Sie... Sie... AUTOVERKÄUFER! |
| ein verwegenes Rot | Die Bandana des roten Korsaren, die Haare der roten Zora, Natascha´s Strumpfband in der Hochzeitsnacht. Noch Fragen? |
| ein verwelktes Rot | Ausgeblichen von der Sonne, baumelt am Strauch die letzte Rose, verblichene Farbe, verschrumpelte Blütenblätter. Beim nächsten Windhauch wird sie entblättert werden. Nochmal dran riechen, ehe sie vergeht? |
| ein verzweifeltes Rot | Nur im Zusammenhang mit dem Motiv ist die Verzweiflung zu erkennen, wenn es ein bemühtes verzweifeltes Rot ist. Ein echtes verzweifeltes Rot spricht für sich selbst. Jetzt bist du auch nicht schlauer, oder? |
| ein weinerliches Rot | Vordergründig auf Wirkung bedacht, versucht es dein Mitleid zu erregen, Schuldgefühle zu wecken, Nachsicht zu erheischen. Und trotzdem kann es nützen, und sei es nur als abschreckendes Beispiel. |
| ein winselndes Rot | Nervenzerfetzend, dieses Gewinsel. Man möchte zum Terpentinlappen greifen, um es abzustellen. |
| ein wütendes Rot | Ein gutes Rot, geboren aus dem Augenblick heraus, fängt es deine Emotion ein oder provoziert sie. Man sollte sich aber nicht zulange damit beschäftigen, das schadet der Ausgeglichenheit. |
| ein zackiges Rot | Findet sich auf Epauletten, Ordensbändern und an den Troddeln von blitzblanken Säbeln. Begegnet uns meist auf diesen wändebedeckenden Ölschinken, die Schlachten zwischen den Türken und Österreichern darstellen. |
| ein zahnloses Rot | Es kann ja auch von Vorteil sein, nur mit dem Zahnfleisch auf dem eingeweichten Brötchen rumzumümmeln, dann spart man sich die Zahnseide oder diese unsäglichen Zwischenraumbürstchen. Aber wieviel schöner ist es doch, auch morgen noch kraftvoll zubeißen zu können. |
| ein zänkisches Rot | Kann nicht harmonisieren, hat an allem was auszusetzen, weshalb es wohl niemand leiden mag. Wenn man hört, dass irgendwo in einer Berliner Altbauwohnung ein zänkisches Rot vier Wochen tot im Bett lag, bis es entdeckt wurde, wundert das keinen Menschen. |
| ein zerbrechliches Rot | Ein Rot wie eine Lalique-Vase. Ganz vorsichtig angemischt, mit dem Pinsel aufgenommen und auf die Leinwand aufgebracht. Schon auf diesem kurzen Weg kann es in Scherben gehen. |
| ein zerkratztes Rot | Die Spur eines Schlüssels auf der Tür eines Ferrari. Mensch, Kinners, man muss och jönne könne! |
| ein zerstückeltes Rot | "Rotes oder weißes Fleisch?" fragt die Hausfrau nach dem Tranchieren des Truthahns mit einem stumpfen Messer. Und du sagst angesichts des Desasters: "Nur Kartoffeln, bitte." |
| ein zögerliches Rot | Wenn man ins Mikro spricht, muss man darauf achten, dass der Ton nicht übersteuert. Dabei wechselt die Anzeige von Grün über Gelb zu Rot. Und dieses Rot, dass dann ab und zu doch mal aufblitzt, das ist ein so ein zögerliches Rot. |
| ein züchtiges Rot | Die Bommeln auf dem Hut eines Schwarzwaldmädels. Überhaupt jedes Rot auf jeder Tracht dieser Welt. Außer dem am Ausschnitt eines Dirndls, natürlich. |
| ein zugeknöpftes Rot | Befindet sich auf der karierten Bluse einer Dame fortgeschrittenen Alters vom sauerländischen Gebirgsverein, die bei der Rast auf der Terasse der Waldgaststätte nach einem Tässchen Kaffee HAG verlangt. |
| ein zugemauertes Rot | Mindestens so schlimm wie ein -> übermaltes Rot, wobei hier noch die vage Hoffnung besteht, dass eines Tages jemand kommt und die Mauer einreißt, und das arme Rot dann wieder ans Tageslicht kommt. |
| ein zugereistes Rot | Weht stolz auf Balkonen mit Satellitenschüsseln. Ist manchem Zeitgenossen ein Dorn im Auge, der selber nur einen popeligen Schwarz-Rot-Gold-Fetzen aufhängen könnte. |
| ein zügiges Rot | Braust dreißigmal am Tag an meinem Fenster vorbei, auf der Strecke Augsburg-München. Wird in letzter Zeit deshalb kaum noch wahrgenommen, ist mir aber allemal lieber als die schrecklichen mint-grau-gespritzten Regionalzüge. |
| ein zukünftiges Rot | Das Rot vom morgigen Sonnenaufgang. Die Blumen, die bald auf meinem Balkon gepflanzt werden. Der Pickel, der bald auf der Stirn blühen wird. |
| ein zweihundertstes Rot | Hat Mühe, noch Selbstbewusstsein zu zeigen, nachdem so viele Vorgänger aufgelistet waren. Es hofft, dass sich jemand bis zum Ende der Liste durchkämpft, um auch ihm seine gebührenden 3 Sekunden Aufmerksamkeit zu schenken. |